Rüstzeug für den Alltag
15.04.2026
Kamen. Blicken Angela Meyer-Arndt, Jasmin Tischler und Susanne Materna auf ihre Berufsbiografien zurück, fällt auf: Unterschiedlicher können diese kaum sein. Dafür eint die drei Mitarbeiterinnen der offenen Ganztagsschulen (OGS) in Kamen etwas anderes: Sie arbeiten leidenschaftlich gern mit Kindern. Im Rahmen einer pädagogischen Grundqualifizierung erhalten sie hierfür jetzt pädagogisches Rüstzeug.
Die Stadt Kamen, die OGS-Träger sowie die Politik messen dem offenen Ganztag eine wichtige Rolle bei – sie haben sich unter anderem die Stärkung der offenen Ganztagsschule sowie die Qualitätsentwicklung auf die Fahnen geschrieben, wozu auch die Qualifizierung des Personals gehört. Denn: Der offene Ganztag ist ein Ort, der Kinder für die Zukunft prägt. Ein Lernort, ein Lebensort, ein Ort zum Spielen und Freunde treffen, für Hausaufgaben und auch ein Ort, an dem Kinder nicht selten in ihren Sorgen und Nöten aufgefangen werden. Obendrein trägt der Ganztag erheblich dazu bei, dass Eltern berufliche Herausforderungen und familiäre Belange besser vereinbaren können und Familien Unterstützung erhalten. Das Problem hierbei: Der offene Ganztag ist strukturell unterversorgt. Auf der einen Seite sind die pädagogischen Anforderungen hoch, die Mitarbeitenden mit Herzblut dabei. Häufig sind sie jedoch nicht für den Einsatz in der OGS ausgebildet. Doch wie gelingt es, trotz dieser Rahmenbedingungen einen tollen Job zu machen?
Susanne Materna hat jetzt im Auftaktmodul einer Fortbildung, die die Stadt gemeinsam mit der AWO, dem Evangelischen Kirchenkreis Unna und dem Kreissportbund als Träger des offenen Ganztags in Kamen konzipiert hat, vieles gelernt, das ihr hierbei hilft. Die gelernte Friseurin sagt von sich, dass sie Kinder über alles liebe. Doch in dem Bereich zu arbeiten, habe sie sich nie getraut – bis eine Nachbarin sie überzeugt habe. Die Weiterbildung, die sich an alle OGS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter richtet, die nicht einschlägig qualifiziert sind, bestätigt die 57-Jährige in diesem Schritt: „Man gibt eh schon sein Bestes, aber jetzt blicke noch einmal anders auf die Dinge.“ Etwa, wie man bei einem Kind Begeisterung weckt. Für die Erzieherin und Heilpädagogin Heike Kostarellis kann dies ein Wendepunkt im schulischen Alltag eines Kindes sein. „Es ist viel gewonnen, wenn wir uns darauf fokussieren, einem Kind einmal am Tag unsere absolute Aufmerksamkeit zu widmen.“ Die Dozentin der Arbeiterwohlfahrt hat das Modul „Pädagogische Grundhaltung“ konzipiert, 20 Unterrichtseinheiten standen hierzu in den vergangenen Wochen in den Räumlichkeiten des FZ Lüner Höhe auf dem Programm. Die Module „Entwicklung im Kindesalter“ sowie „Spiel und Bewegung“ werden vom Evangelischen Kirchenkreis und dem Kreissportbund durchgeführt.
Auch Angela Meyer-Arndt hatte anfangs gezögert, die Herausforderung anzunehmen, sich um Kinder zu kümmern. Ihr Erfahrungsschatz erweist sich in der praktischen Arbeit als große Stütze: Die 54-Jährige ist nicht nur gelernte Kauffrau im Eisenbahn- und Straßenverkehr, sondern auch gelernte Zugbegleiterin und Floristin. Die dreifache Mutter hat in der OGS der Friedrich-Ebert-Schule viel mit geflüchteten Kindern zu tun – und weiß, dass das Gefühl, einen Zufluchtsort zu haben, Halt gibt. „Hier können wir viel Positives erreichen.“ Der Austausch mit den anderen Kursteilnehmerinnen zeigt ihr, welche Wege andere gehen. Jasmin Tischler (38) pflichtet ihr bei. Die gelernte Bürokauffrau arbeitet in der OGS der Südschule und ist dankbar für die Fortbildung: „Ich nehme hier ganz viel mit.“
Die Betreuungskräfte sollen indes nicht nur im Umgang mit den Kindern, sondern auch im Blick auf sich selbst gestärkt werden. „Das Land misst dem Bereich OGS nicht den Stellenwert bei, den er benötigt“, sagt Jugendamtsleiterin Nicole Börner. Hier will die Stadt mit den 45 Unterrichtseinheiten entgegenwirken. „Wenn ich eine Stärkung für mich erfahre, dann fällt es mir leichter, den Kindern den Rücken zu stärken“, ergänzt Heike Kostarellis. Der aktuelle Kurs bildet den ersten Durchgang der Grundqualifizierung. Diese sollen künftig alle neuen OGS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in Kamen, die nicht einschlägig ausgebildet sind, erhalten.
