Stadtgeschichte

Stadtgeschichte

Die Stadt Kamen liegt zentral im Kreis Unna, der geographischen Mitte des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Kreis Unna hat eine Größe von 542,30 qkm und gehört zur Ballungsrandzone des östlichen Ruhrgebietes. Im Westen grenzt Kamen an das Dortmunder Stadtgebiet, der größten Stadt Westfalens, im Osten liegt die Stadt Hamm. Durch das Stadtgebiet führen die Bundesautobahntrassen der A 1 und A 2, deren Schnittpunkt das vielen Autofahrern bekannte "Kamener Kreuz" bildet.

Der Kamener Bahnhof liegt an einer der wichtigsten deutschen Eisenbahnlinien, der ehemaligen "Köln-Mindener Eisenbahn".

Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung an verschiedenen Stellen im Kamener Stadtgebiet stammen aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit, 5.-2. Jahrtausend v. Chr.). Im Mündungswinkel der Flüsse Körne und Seseke in Westick fand man aufgrund der überlieferten Flurnamen die Reste einer germanischen Siedlung, die vom Anfang des 2. Jahrhunderts bis in das 6. Jahrhundert bestanden hatte. Die dort gemachten Funde sind für diese Epoche in der westfälischen Geschichte von hervorragender Bedeutung. Methler, der älteste Kamener Stadtteil, wurde bereits im Jahr 898 urkundlich erwähnt. Heeren in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Eine Ansiedlung mit dem Namen Kamen wird um 1050 im Besitztumsverzeichnis der Abtei Werden genannt, jedoch muß die Pfarrei Kamen schon älter gewesen sein. Ihr frühes kölnisches Severins-Patrozinium sowie Reste einer älteren Vorgängerkirche bekräftigen dies. Der heutige mächtige grüne Sandsteinturm der Pauluskirche stammt noch aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Der schiefe Turmhelm, das Wahrzeichen Kamens, entstand 200 Jahre später. Er ist bewußt gegen die Hauptwindrichtung, also nach Südwesten, geneigt gebaut worden.

Im Laufe des 12. Jahrhunderts ließen sich die Landesherren, die Grafen von Altena, bzw. v.d. Mark, westlich nahe der späteren Pauluskirche eine Burg errichten. Zur Sicherung der Landesherrschaft siedelten die Grafen von der Mark ihre Dienstleute ("Burgmannen") im unmittelbaren Bereich ihrer Burg an. Von ehemals zehn Burgmannshöfen steht heute noch der Galenhof am "Bollwerk". Sie wurden in der Nähe der Stadttore angelegt. Wie viele historisch gewachsene Städte, so entwickelte sich auch Kamen von einem Herrensitz (Burg) ausgehend. Im Laufe der Zeit siedelten sich Handwerker und Kaufleute im Schutzbereich der Burg an. Der Turm der heutigen Pauluskirche diente allen als Wehr- und Fliehturm.

Während der weiteren Entwicklung dehnte sich die Ansiedlung nach Westen, Norden und Osten aus. Der Ort wurde nach 1243 mit einer Mauer und einem Grabensystem befestigt. Die südliche Begrenzung bildete die Seseke, die man näher an die Mauer heranführte und begradigte. Ein kleiner Rest der mittelalterlichen Stadtmauer (Ostenmauer) ist heute noch erhalten.

Nachdem die Bürgersiedlung eine gewisse Größe erreicht hatte, erhielt Kamen in der Mitte des 13. Jahrhunderts vom Landesherrn städtische Freiheiten: eine eigene Verfassung, Bürgermeister und Rat für die Selbstverwaltung und ein eigenes Stadtgericht für die niedere Gerichtsbarkeit. Das älteste erhaltene Stadtsiegel stammt aus dem Jahr 1284. Die Stadtrechte wurden den Kamenern erst 1346 vom Landesherrn bestätigt.

Am Ende des Mittelalters betrug die Fläche der Stadt innerhalb der Ummauerung rd. 29 ha, die Einwohnerzahl lag bei etwa 1.500. Die geographisch günstige Lage Kamens an einem wichtigen Handelsweg und die landesherrliche Förderung verliehen der Stadt eine exponierte Stellung unter den märkischen Städten. Kamen war Mitglied der Hanse, und in vielen Hansestädten an der Ostsee hielten sich Kamener Kaufleute auf. In Stockholm gab es gar ein "Kamener Viertel", wo die Kaufleute lebten.

Neben dem Handel war auch das Handwerk von Bedeutung; so gab es mindestens acht Zünfte in der Stadt. Zu den Hauptausfuhrgütern gehörten Lederwaren (insbesondere Schuhe) und Leinwand. Der Leinanbau (Flachs) war im fruchtbaren Hellweggebiet besonders lohnend.

In Kamen existierte auch ein Nonnenkloster, das 1470 aus zwei Beginenhäusern hervorgegangen war. Im Zuge der Säkularisierung wurde es 1818 aufgelöst. Die Reformation erreichte Kamen im Jahr 1554. In Methler und Heeren war dies wenige Jahre später. Innerhalb des heutigen Grenzen des Stadtgebietes gibt es seit dem Mittelalter drei Kirchspiele: Kamen, Methler und Heeren.

Auf die wirtschaftliche Blüte Kamens folgte seit dem Ende des 15. Jahrhunderts eine Zeit des Niedergangs. Sie sollte etwa 400 Jahre andauern. Die Ursachen lagen unter anderem in der Verlagerung der Handelswege von Nord-Süd nach West-Ost, was auch auf den Niedergang der Hanse zurückzuführen ist sowie in der Vergrößerung des Territoriums. Seit 1391 waren die Grafschaften Mark und Kleve in Personalunion vereinigt, spätestens seit 1417 residierten die Landesherren, nun Herzöge von Kleve, nicht mehr in Kamen. Da die Landesherrschaft gesichert war, verlor Kamen an machtpolitischer Bedeutung.

Zu einer wirtschaftlichen Stärkung Kamens kam es allmählich, als im Jahr 1847 die Strecke der "Köln-Mindener Eisenbahn" das Stadtgebiet berührte. Im gleichen Jahr wurde auch mit dem Bau des noch heute erhaltenen Stationsgebäudes begonnen. Bahnhof wie die "Fünf-Bogen-Brücke" gehören zu den ältesten Bahnbauten Deutschlands. Nun konnten sich langsam auch hier industrielle Betriebe ansiedeln. Als erster Betrieb begann 1851 die Papier- und Pappenfabrik Friedrich an der Weststraße mit der Produktion; 1868 siedelte sich die Buntmetall- und Eisengießerei der Gebrüder Jellinghaus an der heutigen Westicker Straße an. Weitere metallverarbeitende Betriebe kamen hinzu. Durch kommunale Initiative entstanden schon 1857 die Städtische Sparkasse und 1865 das Städtische Gaswerk. 1870 hatte Kamen etwa 3.700 Einwohner.

Nach dem Einzug des Bergbaus veränderte sich Kamen erheblich. Auf der 1873 entstandenen Zeche "Monopol" begann 1879 mit dem Schacht "Grillo 1" die Kohleförderung in 400 m Tiefe. 1887 wurde mit dem Abteufen des Schachtes "Grillo 2" begonnen und 1906 mit "Grillo 3". 1888 begann in Heeren der Bergbau mit dem Schacht "Königsborn 2" die Gemeinde zu verändern. In der Gemarkung der Gemeinden Westick und Methler hatte die Zeche "Courl" seit 1870 acht Sektionen von Bergarbeiterhäusern bauen lassen und damit auch hier eine strukturelle Veränderung eingeleitet. Auch in der weiteren Umgebung Kamens siedelten sich im Laufe der Zeit Zechenbetriebe an.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften für den Bergbau war groß geworden. Bald reichte das Arbeitskräftereservoir der Umgebung nicht mehr aus. Die Zechen warben nun Arbeiter aus den östlichen Regionen Europas an. Um 1890 beschäftigte die Kamener Zeche schon fast 1.200 Bergarbeiter. Dadurch erhöhte sich auch die Einwohnerzahl sprunghaft: von ca. 3.700 im Jahre 1870 auf über 10.000 Einwohner 1902. Der Bau vieler Wohnungen war notwendig geworden. Mit den Bergleuten und deren Familien kamen noch andere Berufsgruppen nach Kamen, die ebenfalls Wohnraum benötigten. Der Zuzug von Bergarbeitern aus dem Osten führte zu Problemen mit der alteingesessenen Bevölkerung.

Im Jahr 1983 wurde die Schachtanlage "Grillo" der Zeche "Monopol" in Kamen nach genau 110 Jahren stillgelegt. Da seit 1976 auch die Schachtanlage "Königsborn 2/5" nicht mehr in Betrieb ist, finden wir im heutigen Kamen keine fördernde Zechenanlage mehr. Die Gelände der ehemaligen Zechen werden nun für moderne Projekte zur Verfügung gestellt; so entstand auf dem Monopolgelände der "Technopark Kamen