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Geschichte einer Siedlung: Reimund Kasper schenkt Stadt zwei Gemälde zum „Negerdorf“

Geschichte einer Siedlung: Reimund Kasper schenkt Stadt zwei Gemälde zum „Negerdorf“

Kamen. Vor 100 Jahren ein Erdgeschoss mit Stall, Waschküche und Keller, im Garten eine Ziege und flatternde weiße Wäsche im Wind, heute Garagen, Gartenhäuser und Grillplätze: Mit zwei Arbeiten zur Hindenburgsiedlung – im Volksmund auch als „Negerdorf“ bezeichnet – dokumentiert der Künstler Reimund Kasper eindrucksvoll die Lebensumstände ihrer Zeit. Jetzt schenkte er der Stadt Kamen die beiden Exponate, die dauerhaft im Haus der Stadtgeschichte ausgestellt werden – passend zum 150-jährigen Jubiläum der Zeche Monopol, das am 26. August gefeiert werden soll.

Bürgermeisterin Elke Kappen freute sich bei der Übergabe sehr über die schöne Geste – spiegelt doch die Geschichte der Bergarbeitersiedlung die Atmosphäre einer Zeit wieder, die von Zusammenhalt geprägt war. „Bergleute mussten sich unter Tage aufeinander verlassen können. Ganz gleich, wo sie herkamen, ganz gleich, wie gebildet sie waren. Diesen Zusammenhalt kann auch unsere heutige Gesellschaft gut gebrauchen“, so die Bürgermeisterin. Ganz im diesem Sinne versteht auch Künstler Reimund Kasper die Aufgabe der Kunst – in diesem konkreten Fall darin, das Gewissen einer Stadt aufrechtzuerhalten. Bürgermeisterin Kappen nahm die Bilder gemeinsam mit dem stellvertretendem Bürgermeister Manfred Wiedemann und Museumsleiter Robert Badermann entgegen.
Die beiden Arbeiten "Negerdorf 1" und "Negerdorf 2" zeigen den Urzustand dieser Bergarbeitersiedlung von 1920 und den baulich stark modifizierten Zustand von 2022 – und demzufolge die Lebensumstände ihrer Zeit. Die Hindenburgsiedlung, im Volksmund bis heute "Negerdorf" genannt, weil viele Bergleute nach der Schicht mit rußgefärbten Kleidungsstücken und Gesichtern nach Hause gingen, um sich dort zu waschen, ist von der Gelsenkirchener Bergwerks AG als Wohnsiedlung für die Bergarbeiter der Zeche Monopol als Wohnsiedlung errichtet worden – wobei auf die Bedürfnisse der Bergleute Rücksicht genommen wurde. Die kellerlosen Gebäude besaßen im Erdgeschoss eine Waschküche, einen Stall für das Vieh und einen Vorratskeller. Im Obergeschoss wohnte die Familie, teilweise mit Großeltern und Kindern, in drei Zimmern. Heute sind vom Originalzustand teilweise nur noch die Grundform und einige Natursteinsockel übrig geblieben.

Reimund Kasper stellte beide Werke erstmals in der REFLEX-Ausstellung "Vor Ort" in der Zeit vom 20. August bis zum 11. September vergangenen Jahres in der Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Monopol in Kamen der Öffentlichkeit vor. Beide Werke finden nun im Kamener Museum einen idealen Platz – schließlich wird in der Dauerausstellung zur Kamener Stadtgeschichte auch die Bergbau-Vergangenheit der Stadt Kamen thematisiert. Zu sehen sind Exponate, die das Leben der Bergleute und ihrer Familien über und unter Tage prägten.