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Kamen macht Schule besser

Kamen macht Schule besser

Kamen. Die Analyse ist ernüchternd: Die Welt, für die unser Schulsystem entwickelt wurde, existiert nicht mehr. Denn nicht erst seit der Corona-Krise unterliegt das System Schule einem tiefgreifenden Wandel. Eine sich verändernde Kindheit, die zunehmende Digitalisierung und andere, neue Anforderungen an das Lernen und die geforderten Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen bestimmen den schulischen Alltag. Doch wie kann Schule darauf reagieren? Über diese Frage tauschten sich jetzt rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 1. Kamener Schulgesprächs „Kamen macht Schule besser“ in der Gesamtschule aus.

Es ist keine Frage: Schule den Veränderungen anzupassen, ist nicht nur ein komplexes, sondern auch ein überaus ambitioniertes Unterfangen. „Schulentwicklung heißt, ein Flugzeug in der Luft in ein Boot zu verwandeln“, veranschaulichte Professor Dr. Ferdinand Stebner, Pädagogik-Professor an der Universität Osnabrück, den Charakter der Aufgabe. Für ihn ist klar: Schulische Konzepte müssen an die Bedürfnisse der Akteure an den Schulen angepasst werden. Hierzu gehört es zunächst ganz grundsätzlich, über das Lernen an sich nachzudenken. „Auch wenn Schülerinnen und Schüler täglich lernen, lernen sie in der Schule zu selten richtig, wie sie nachhaltig, also lebenslang selbstreguliert lernen“, berichtete Stebner. Dieses selbstregulierte Lernen fördert die tiefere Verarbeitung von Informationen und unterstützt Lernende in ihren Verstehensprozessen. Auch das aktuell praktizierte Beurteilungssystem hätte nach dem Umbau des Flugzeuges in ein Boot vermutlich keinen Platz mehr an Bord: „Standardisierte Tests und Noten verhindern Individualisierung und nachhaltiges Lernen.“

Mit dem System ändern sich freilich nicht nur die Rahmenbedingungen, sondern auch die Spielräume von Lehrkräften und Lernenden – sowie von Schulen: Sie benötigen allesamt mehr Freiheiten, um das System interpretieren und gemeinsam entwickeln zu können. Den anwesenden Lehrkräften brachte der Vortrag den ein oder anderen interessanten Impuls, über die eigene Rolle nachzudenken. Indem sie nämlich für die Lernenden das System verkörpern, können sie dieses selbst verändern. Nach dem Motto: „Verändere ich mich, verändere ich das System.“ Für alle Prozesse gilt gleichsam eine Voraussetzung: Innovation gelingt nur durch Kommunikation.

Zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich ändern und das System Schule vor neue An- und Herausforderungen stellen, gehört zweifelsfrei die Digitalisierung. Professor Stebner zitierte in diesem Zusammenhang den bekannten Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler Professor Dr. Klaus Hurrelmann, der fordert, in einer digitalisierten Welt dürfe Schule nicht analog bleiben. Die Schulen in Kamen dürfen das als Bestätigung ihrer aktuellen Arbeit verstehen – haben sie sich doch mit der flächendeckenden Anschaffung digitaler Boards für alle Schulen und dem Einsatz digitaler Endgeräte ab Klasse 8 auf den Weg gemacht. Bürgermeisterin Elke Kappen, zugleich Schuldezernentin der Stadt, berichtete den Anwesenden von den vielen Aktivitäten der Kommune, die Schulen auf diesem Weg zu unterstützen. Diese wollen nun die kommende Zeit nutzen, die Digitalisierung im Unterricht ankommen zu lassen und umzusetzen. Für die Organisatoren des Abends Alexandra Grund und Daniel Füller steht fest, dass es sich lohnt, mit Berücksichtigung der Wissenschaft über Schule zu reden: „Wir brauchen den Mut, Veränderungen anzustoßen, sie zu überprüfen und gegebenenfalls zu revidieren.“ Formate wie das 1. Kamener Schulgespräch liefern hierzu wichtige Inputs: „Wir sollten uns aufmachen, mit innovativen Ideen über Schule nachzudenken und sie zu entwickeln.“ So lässt sich Schule besser machen.