Mahnwache zum 40. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl „Licht gegen das Vergessen“ in der Kamener Stadthalle
27.04.2026
Kamen. Anlässlich des 40. Jahrestages der Atomkatastrophe von Tschernobyl hatte der AWO-Stadtverband am Sonntag zur Mahnwache „Licht gegen das Vergessen“ in die Kamener Stadthalle eingeladen. Die Veranstaltung erinnerte an die folgenschwere Reaktorkatastrophe vom April 1986 und setzte zugleich ein Zeichen für Frieden, Solidarität und verantwortungsvolle Energiepolitik.
Die Mahnwache stand in diesem Jahr unter einem besonderen Vorzeichen: Vier Jahrzehnte nach der Katastrophe waren die Auswirkungen weiterhin spürbar. Rund 3.000 Quadratkilometer wurden radioaktiv verseucht, unzählige Menschen in der Ukraine, Belarus und weiteren Regionen litten noch immer unter den Folgen. Auch in Deutschland waren die Auswirkungen damals deutlich gewesen – radioaktive Wolken erreichten die Region, während die Bevölkerung zunächst unzureichend informiert wurde und große Verunsicherung herrschte.
Im Rahmen der Veranstaltung erinnerten Kamens Bürgermeisterin Elke Kappen und der Vorsitzende des AWO-Unterbezirks
Ruhr-Lippe-Ems, MdB Oliver Kaczmarek, daran, dass niemand auf eine Katastrophe dieses Ausmaßes vorbereitet gewesen war. Menschliche Fehler und technische Probleme hatten zu einer unkontrollierbaren Kettenreaktion mit verheerenden Folgen geführt. Die AWO-Kreisvorsitzende, MdL Silva Gosewinkel, hob in ihrem Grußwort die Bedeutung der Arbeit der AWO im Kontext der Betreuung benachteiligter Menschen, egal aus welchem Land diese stammen, hervor und Pfarrer Dr. Niklas Peuckmann stellte in seiner Andacht einen geistlichen Kontext zur damaligen Katastrophe her.
Das Gedenken an die Opfer und Betroffenen bleibt deshalb auch 40 Jahre später von großer Bedeutung. Gerade in einer Zeit, in der an vielen Stellen erneut über die Nutzung von Kernenergie nachgedacht wird, sollte die Mahnwache ein klares Signal senden. Der Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie wurde als richtige und nachhaltige Entscheidung hervorgehoben. Das Motto „Atomkraft? Nein danke!“ behält weiterhin seine Aktualität. Zugleich wurde die Notwendigkeit betont, erneuerbare und nachhaltige Energien konsequent weiter auszubauen – als Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen.
Auch die aktuelle politische Lage verlieh dem Gedenken zusätzliche Dringlichkeit. Seit über vier Jahren dauert der Krieg in der Ukraine an. Die Lage der Menschen bleibt weiterhin unsicher und belastend, zugleich bestehen aktuell wieder Sorgen um die Sicherheit von Kernkraftwerken in Krisengebieten. In Kamen haben zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine Aufnahme gefunden und bereichern das gesellschaftliche Leben – auch kulturell, zu hören bei musikalischen Beiträgen aus der Ukraine im Rahmen des Programms.
Besonders hervorgehoben wurde die große Solidarität der Bevölkerung: durch Spenden, die Bereitstellung von Wohnraum und ehrenamtliche Hilfe. Dieses Engagement stand für gelebte Demokratie und ein geeintes Europa.
Im Rahmen der Veranstaltung gedachte Bürgermeisterin Kappen zudem einem besonderen Menschen, der das Kamener Gedenken über Jahrzehnte entscheidend geprägt hat: Jürgen Schlegel, der im vergangenen Jahr am 12. August im Alter von 81 Jahren verstorben war. Als Organisator und unermüdlicher „Motor“ von „Ein Licht gegen das Vergessen“ hinterließ er eine große Lücke. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl war für ihn zum Ausgangspunkt eines außergewöhnlichen ehrenamtlichen Engagements geworden. Über die AWO organisierte er Ferienfreizeiten für Kinder aus den verseuchten Gebieten, baute ein Netzwerk aus Kamener Gastfamilien auf und engagierte sich in der Kinderkrebshilfe. Mit großem Einsatz gewann er Unterstützerinnen und Unterstützer aus Wirtschaft und Gesellschaft und sammelte erhebliche Mittel für seine Projekte. Darüber hinaus hielt er mit der jährlichen Gedenkveranstaltung das Bewusstsein für die Gefahren der Atomenergie in der Bevölkerung wach. Sein Wirken war geprägt von Tatkraft, Mitmenschlichkeit und Optimismus. Zur Würdigung seines Engagements kündigte die Stadt Kamen an, beim nächsten Pflanzfest einen Gedenkbaum für Jürgen Schlegel zu pflanzen.
Im Sinne Jürgen Schlegels übergab der der AWO-Stadtverband im Rahmen der Veranstaltung eine Spende in Höhe von 3.000€ an den Bürgermeister der Stadt Billerbeck, Marco Lennertz, zur Unterstützung der dort geleisteten Betreuungsarbeit von betroffenen Kindern aus der Region um Tschernobyl. So soll das von Jürgen Schlegel gesammelte Spendenvolumen, das in Kamen nicht aufgebraucht werden konnte, zweckentsprechend weiter verwendet werden können.
Die Mahnwache endete mit einem gemeinsamen Gedenken an die Opfer, einem Ausdruck der Solidarität mit den Betroffenen und dem Entzünden eines Lichts gegen das Vergessen – verbunden mit der Hoffnung auf Frieden und Sicherheit.
