Stadt Kamen - Pressemitteilungen

Weitere Stolpersteine in Kamen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus

03.03.2026

Kamen. Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in Kamen wird weiter wachgehalten: Am Montag, 2. März, wurden im Stadtgebiet vier weitere Stolpersteine verlegt.

Initiiert wurde die Aktion von der Bürgerinitiative Zivilcourage für Kamen und der Initiativgruppe Stolpersteine. Die neuen Stolpersteine wurden vom Verein Shalom Eilat, dem Förderverein des Hauses der Stadtgeschichte, der Bürgerinitiative Zivilcourage und von Marlene Labbé gesponsert.

Der erste Stein wurde für den Bergmann Johann Czerlinski am Ulmenplatz 6 verlegt. Bei diesem Stein handelt es sich um den ersten für ein nichtjüdisches Opfer des Nazi-Terrors in Kamen. Seine Treue zu Polen verleitete Johann nach Kriegsausbuch am 01. September 1939 offenbar zu gewagten Äußerungen, die wenige Tage später zu seiner Verhaftung führten – offiziell wegen seiner Weigerung, Nachzahlungen für die Deutsche Arbeiterfront DAF zu leisten. Im Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen kam er am 13. Mai 1940 ums Leben. Bei der Verlegung des Stolpersteins waren die jüngste Tochter und ein Enkel aus Bergkamen vor Ort, um an Johann zu erinnern.

In der Klosterstraße 5, im Wohnhaus neben der Volksbank, fand ein Stolperstein für Paul Shimon Jacoby Platz. Jacoby konnte 1937 nach Palästina flüchten und lebte dort in einem Kibbuz. Seine Eltern Cäcilie und Abraham Jacoby haben bereits einen Stein am Reckhof 9, wo sie vor der Deportation zuletzt gewohnt hatten. Die Steine der Eltern wurden nun, gemeinsam mit dem Stein von Paul Shimon Jacoby, vor der Klosterstraße 5 verlegt. 1989 war er auf Einladung der Stadtverwaltung noch einmal in Kamen vor Ort.

Anschließend ging es zur Ostenmauer 9. Dort liegen bereits Stolpersteine für Philipp Nathan und seine Frau Josephine. Hier wurde ein weiterer Stein für die Tochter Grete Salomon geb. Nathan verlegt. Grete konnte ihre Eltern kurz vor ihrer Deportation noch einmal besuchen, ehe sie nach England flüchtete. 1958 war Grete in Deutschland und konnte ihr Entschädigungsverfahren betreiben. Sie schrieb 1981 einige Briefe an die Westfälische Rundschau. Auch mit der Gesamtschülerin Birgit Schneider hielt sie schriftlich Kontakt, bis dieser irgendwann abbrach.

Der letzte Stolperstein wurde an der Bahnhofstraße 57 vor dem ehemaligen Geschäftshaus der Familie Marx verlegt. Das Haus ging 1896 an Hermann Marcus, als dieser Johanna Marx heiratete. Er übernahm das dortige Texilgeschäft.

Dora heiratete am 09. März1932 in Kamen den katholischen Kaufmann Josef Schiefbahn aus Elberfeld. Sie erbte das Geschäft nach dem Freitod der Eltern 1932, kurz nach ihrer Hochzeit. Das Haus wurde in der Pogromnacht geplündert und 1941 zwangsversteigert. Die Familie verzog 1936 nach Köln-Poll. Dora musste im September 1944 mit ihren Söhnen in das Deportationslager Köln-Müngersdorf und zwei Wochen später allein nach Berlin, um im Jüdischen Krankenhaus Iranische Straße zu arbeiten. Ihre Söhne Hans und Hermann kamen in ein Waisenhaus in Hennef und mussten als Kinder die Verschleppung ihrer Mutter miterleben. Ende August 1945 konnte sie ihre Kinder nach Köln zurückholen. 

Hans Schiefbahn, die Großnichte Maria Klement aus Nürnberg und weitere Verwandte waren bei der Verlegung persönlich vor Ort. Sie teilten einige Erinnerungen mit den Anwesenden und trugen emotionale Gedichte vor.

Bürgermeisterin Elke Kappen betonte, wie wichtig es sei, die Erinnerungen an Opfer des Nationalsozialismus lebendig zu halten.

Die Beigeordnete Ingelore Peppmeier, der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Manfred Wiedemann und weitere Mitglieder aus Rat und Verwaltung waren bei den Verlegungen ebenfalls vor Ort.

Begleitet wurde die Aktion auch von Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule, die den Ausführungen von Klaus Goehrke zu den Opfern gebannt lauschten und im Anschluss Kerzen und Blumen bei den Stolpersteinen niederlegten.

Die Stolpersteine zeigen, wie man die Erinnerung an die Verbrechen der NS-Zeit in die Gegenwart transportieren kann, damit die Menschen, die Widerstand leisteten und verfolgt wurden, nicht in Vergessenheit geraten.

Am 23. März wird es für die Kamener Schülerinnen und Schüler eine weitere Gelegenheit geben, sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Die Zeitzeugin Stefania Wernik wird über eine Live-Schaltung von ihren Erfahrungen und ihrer Kindheit im Konzentrationslager berichten und den Schülerinnen und Schülern im Anschluss für Fragen zu Verfügung stehen.