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Fragen und Antworten zur Anpassung der Grundsteuer

11.02.2026 - aktualisiert am 16.02.2026 - 11:56

Fragen und Antworten zur Anpassung der Grundsteuer

Mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken stimmte der Rat der Stadt Kamen am Dienstag für den Haushaltsplanentwurf, den die Verwaltung für das Jahr 2026 vorgelegt hatte. Vorbehaltlich der Genehmigung durch den Kreis Unna steht damit das finanzielle Korsett für die kommenden zwölf Monate. Der Rat stimmte ebenfalls für eine Anpassung des Hebesatzes für die Grundsteuer B von 940 auf 1.045 Prozent sowie des Hebesatzes für die Gewerbesteuer von 470 auf 490 Prozent. Für einen Musterhaushalt macht dies durch die Anhebung der Grundsteuer B eine Mehrbelastung von 69,33 Euro im Jahr aus. Mit dem Ziel, Wohngebäude zu entlasten, beauftragte der Rat darüber hinaus die Verwaltung, erneut die Möglichkeiten einer differenzierten Grundsteuererhebung zu prüfen, sobald hierfür Rechtssicherheit vorliegt. Auch die Grundsteuer A für land- und forstwirtschaftliche Grundstücke wurde von 440 Prozent auf 684 Prozentpunkte angehoben. Um die Hintergründe transparent und übersichtlich darzustellen, haben wir hier die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

 

❓ Warum wurde die Grundsteuer überhaupt neu berechnet?

Im Jahr 2018 erklärte das Bundesverfassungsgericht die bisherige Berechnung der Grundsteuer für verfassungswidrig.

Seit 2025 gilt deshalb in Nordrhein-Westfalen ein neues Berechnungsmodell. Für jedes Grundstück wurden aktualisierte Werte zugrunde gelegt. Diese Neubewertung führte dazu, dass insbesondere gewerbliche Immobilien im Vergleich zum bisherigen System finanziell entlastet wurden.

 

❓ Was bedeutet das für die Stadt Kamen?

Durch die neue Berechnung verschoben sich die Steuerlasten. Gewerbliche Grundstücke wurden im Verhältnis entlastet, wodurch den Kommunen Einnahmen fehlten.

Das Land Nordrhein-Westfalen eröffnete den Städten deshalb die Möglichkeit, differenzierte Hebesätze für Wohn- und Gewerbegrundstücke einzuführen, um dieses Ungleichgewicht auszugleichen.

Nach Berechnungen des Landes hätte Kamen einen Hebesatz von 1.215 Prozentpunkten erheben müssen, um die Mindereinnahmen vollständig auszugleichen.

 

❓ Warum hat Kamen 2025 nicht sofort die Hebesätze erhöht?

Der Rat der Stadt Kamen verzichtete im Jahr 2025 bewusst darauf,

  • differenzierte Hebesätze einzuführen
  • den Hebesatz insgesamt auf das vom Land empfohlene Niveau anzuheben

Interne Berechnungen hatten ergeben, dass durch Ausgabenkürzungen und einen Verzicht beim Personalaufbau eine Anhebung des Hebesatzes auf 1.112 Punkte ausreichend gewesen wäre. Auch darauf wurde verzichtet.

➡️ Insgesamt verzichtete die Stadt Kamen im Jahr 2025 auf rund 2,8 Millionen Euro an Einnahmen.

➡️ Ein Großteil der Kamener Bürgerinnen und Bürger zahlte dadurch im Jahr 2025 weniger Grundsteuer als 2024.

 

❓ Warum wurde nun dennoch eine Erhöhung beschlossen?

Die Mindereinnahmen hätten langfristig zu einem erheblichen Finanzierungsproblem geführt. Um dauerhaft handlungsfähig zu bleiben und weiterhin in Infrastruktur, Schulen, Straßen und öffentliche Einrichtungen investieren zu können, musste eine nachhaltige Lösung gefunden werden.

Im Dezember plante die Stadt – wie viele andere Kommunen – zunächst eine Erhöhung ausschließlich für gewerbliche Grundstücke. Der Hebesatz für Wohngrundstücke sollte bei 940 Prozent bleiben.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen erklärte diesen Schritt jedoch in mehreren Urteilen für rechtswidrig.

 

❓ Wie lautet die neue Regelung?

Der Rat der Stadt Kamen hat daher beschlossen:

  • Anhebung des einheitlichen Hebesatzes auf 1.045 Prozentpunkte
  • Geltung für Wohn- und Gewerbegrundstücke gleichermaßen

Dabei bleibt Kamen deutlich unterhalb des sogenannten aufkommensneutralen Hebesatzes von 1.215 Punkten, den das Land Nordrhein-Westfalen empfohlen hatte.

Möglich wurde der geringere Satz unter anderem durch:

  • Entlastungen aus der Altschuldenregelung
  • eine Senkung der Kreisumlage

 

❓ Wird es künftig wieder eine Entlastung für Wohngebäude geben?

Ja. Mit dem Ziel, Wohngebäude künftig gezielt zu entlasten, hat der Rat die Verwaltung beauftragt, erneut die Möglichkeiten einer rechtssicheren differenzierten Grundsteuererhebung zu prüfen, sobald hierfür klare gesetzliche Grundlagen und Rechtssicherheit bestehen.

 

❓ Was bedeutet das zusammengefasst?

  • Die Reform geht auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zurück.
  • 2025 zahlten viele Bürgerinnen und Bürger weniger Grundsteuer.
  • Die Stadt verzichtete bewusst auf Millionenbeträge.
  • Um dauerhaft finanzielle Stabilität zu sichern, wurde nun ein einheitlicher Hebesatz von 1.045 Punkten beschlossen.
  • Ziel bleibt, Wohngrundstücke künftig – sobald rechtssicher möglich – gezielt zu entlasten.

Erklärvideo Berechnung der jährlichen Grundsteuer