Stadt Kamen - Druckversion der Seite:


 


Bauzeichnung v. 1894

Die Stadt Kamen hat seit dem Jahr 2002 ein "Haus der Stadtgeschichte". Dieses Haus ist das historische Gedächtnis unserer Stadt. Es beheimatet das Historische Archiv mit seinen reichhaltigen Beständen, die wiss. Bibliothek und das Museum.
Ziel des Hauses ist die Vermittlung der städtischen Geschichte.
Besonders in den letzten Jahren wendete man sich wieder verstärkt der Geschichte seiner Heimat, seiner Umgebung, seines Hauses oder seiner eigenen Herkunft zu. So liegt ein solches Haus im Trend der Zeit. Die Beschäftigung mit diesen Themen fördert die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt. Auch wenn die historische Überlieferung der Stadtteile im Vergleich zum Stadtkern erheblich geringer ist, finden sich doch auch einige Zeugnisse ihrer Vergangenheit im Haus der Stadtgeschichte wieder.
Die Institution ist für die Öffentlichkeit eingerichtet worden und während der Öffnungszeiten zugänglich. Für das Stadtarchiv gibt es einen geräumigen Benutzerraum, in dem die Archivalien, Bücher und Zeitungen benutzt werden können. Das Museum kann über einen geführten Rundgang besichtigt werden.

Im Historische Archiv fertigen Schüler Facharbeiten an, Studenten und Doktoranden recherchieren für wissenschaftliche Arbeiten und interessierte Bürger finden bei uns eine Fülle von Informationen und Quellen,
z. B. zur Erforschung der Geschichte ihres Hauses, ihrer Straße, ihres Stadtteils usw.

 

Zu den historischen Texten
(Klicken Sie auf das Siegel, so finden Sie eine große Anzahl von Texten des Stadtarchivs)

 

Im Einzelnen beherbergt das Stadtarchiv:

über 1.000 Urkunden (die Älteste aus dem Jahr 1333)
mehr als 10.000 weitere Archivalien (Dokumente, Schriftstücke, Akten, Karten, Pläne, Skizzen)
ca. 5.000 historische Fotografien
Kamener Ortszeitungen seit 1874 (können nicht kopiert werden!!!)
fast 8.000 Bücher in der wissenschaftlichen Archivbibliothek (das älteste aus dem Jahr 1593)
private Nachlässe und Einzeldokumente
deponierte Archive Kamener Vereine, die sicher aufbewahrt werden
eine umfangreiche Druck- und Festschriftensammlung
audiovisuelle Medien: Tonbänder, Videobänder, Filme, Schallplatten, CD's
(zumeist mit lokalem Bezug)


Aufgang zum Museum

Die Dauerausstellung des Museums setzt sich aus folgenden Abteilungen zusammen:

Steinzeitliche Siedlung in Kamen

Die ältesten Siedlungsspuren des Kamener Stadtgebiets stammen aus der Jungsteinzeit
(5500-1800 v. Chr.). Es handelt sich vorwiegend um Steinbeile, die aus verschiedenen
Materialien wie Feuerstein oder Grauwacke geschliffen worden sind. Das Gebiet südlich
von Kamen-Wasserkurl scheint damals über längere Zeit besiedelt gewesen zu sein. Auch
aus anderen Teilen des heutigen Stadtgebietes sind jungsteinzeitliche Funde bekannt.


Germanische Siedlung im Seseke-Körne-Winkel

Nach der Entdeckung der germanischen Siedlung am Zusammenfluss von Seseke und Körne durch Pfarrer O. Prein kam es in den 1920er und 1930er Jahren zu umfangreichen Ausgrabungen. Dabei wurden Siedlungsspren der Römischen Kaiserzeit (1. - 4. Jh. n. Chr.)und der Völkerwanderungszeit (5. - 6. Jh. n. Chr.) freigelegt. Die Siedlung von Kamen-Westick lag innerhalb einer weithin erschlossenen Landschaft. In der Umgebung sind weitere Fundstellen bekannt, z.B. in Heeren-Werve, Unna, Bönen und Hamm. Verglichen mit dem Material dieser Plätze wird der fast einzigartige Reichtum der Westicker Siedlung deutlich.


Kamen im Mittelalter

Die Stadt Kamen ist eine "gewachsene" Stadt des Mittelalters, d. h. sie ist in der 
vorstädtischen Phase aus mehreren Kernen zusammen gewachsen. Dies ist am
unregelmäßigen Grundriss und den Straßenführungen erkennbar.
Den Kern bildete eine Burganlage auf dem heutigen Kirchplatz. Urkundlich wird der Name Kamen erstmals 1050 erwähnt, die Stadtrechte wurden erst später 1346 schriftlich bestätigt. Im 14. Jh. besaß Kamen eine Stadtmauer und 6 (!) Stadttore. Mit dem Niedergang der Hanse im 16. Jh. nahm auch Kamens Bedeutung rasch ab. Eine 400 jährige Phase des wirtschaftlichen Niedergangs setzte für Kamen ein.


Kamen in der vorindustriellen Zeit

Nach der städtischen Blüte, verstärkten Seuchen, Brände und zahlreiche Kriege den
Niedergang Kamens. Handwerk und Handel hatten nur noch regionale Relevanz und Kamen wurde zu einer Ackerbürgerstadt. Fast alle Bürger betrieben Landwirtschaft für den Eigenbedarf innerhalb der städtischen Gemarkung. Sie unterschieden sich von den Bauern nur durch das Bürgerrecht. Kamen war eine Leineweber- und seit dem 19. Jh. vor allem eine Schuhmacherstadt.


Kamen seit Industrialisierung und Bergbau

Die Jahre der Stagnation endeten mit dem Einzug des Bergbaus und der anderen Industrie in Kamen. Das Handwerk hatte zunächst noch sein Auskommen. Es ging mit der
zunehmenden industriellen Produktion der Waren stetig zurück. Die steigende Förderung
der Zeche bewirkte einen raschen Anstieg der Einwohnerzahl. Seit den 1870er Jahren bis
in die 1980er Jahre bestimmte der Bergbau das Leben in der Stadt und den heutigen
Stadtteilen. Im Jahr 1983, genau 110 Jahre nach der Teufe, trat das Ende der Zeche
Monopol in Kamen ein. Heute gibt es im Kreis Unna keine fördernde Schachtanlage mehr.


Sammlung zur Geschichte und Gegenwart der Fotografie

Das Streben nach dem Abbild der Wirklichkeit ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon die vorgeschichtlichen Höhlenmalereien belegen dies. Der Malerei - und später der grafischen Kunst - blieben lange Zeit die Möglichkeiten dazu vorbehalten. Auf der Suche nach noch schnelleren und perfekteren Abbildungstechniken entwickelte sich die Fotografie, die 1839 auf den Markt kam. In unserem Ausstellungsraum wird die Kulturgeschichte der Fotografie dargestellt, anhand von originalen Fotoapparaten, Fotografien und technischen Hilfsmitteln.


Die Präsentation der Dauerausstellung ist so aufgebaut, dass die Inhalte ohne Führung aufnehmbar sind.
Des Weiteren wird das Programm des Hauses durch Sonderausstellungen (zur Geschichte, Kunst und Kultur, zu Gegenwartsthemen, Partnerstädten usw.), Vorträge, Film- und Diaschauen ergänzt.
 


Amtsgericht in den 1960er Jahren


Das Haus der Stadtgeschichte hat auch seine eigene Geschichte. Wer das Haus betritt, wird sofort den historischen Wert des unter Denkmalschutz gestellten Gebäudes feststellen. Innen wie außen wird die über 100jährige Geschichte des Hauses lebendig.
Es handelt sich um das ehemalige "Königlich preußische Amtsgericht", welches 1896 eingeweiht wurde. Bis heute ist das gut erhaltene Bauwerk mit charakteristischer Architektur aus der Zeit des Historismus in städtischem Besitz.
Die Bauausführung geschah nach einem vorgegebenen und in mehreren Städten realisierten Musterentwurf. Ein exakt gleiches Gerichtsgebäude, jedoch ohne Gefängnistrakt, steht auch in Schwerte. Die Ausführung des Gebäudes geschah sehr großzügig und solide. Der Rohbau wurde aus Ziegelmauerwerk errichtet, die Tür- und Fensterleibungen in rotem Naturstein gehalten und im Inneren ein großer Verhandlungssaal mit Holzdecke sowie Treppenhaus und Flure mit Kreuzrippengewölben ausgeführt. Mit dieser sog. "Herrschaftsarchitektur" sollten die Untertanen schließlich beeindruckt werden. Die Fußböden der Räume sind mit Pitchpineholz und die Flure mit Fliesen ausgelegt. Sämtliche Treppen wurden in Sandstein gehalten. All dies ist noch heute in gutem Zustand und vermittelt einen originalen Eindruck.
 


Tor zum Innenhof


In den 1950er Jahren wurde das Gebäude für das Amtsgericht zu klein und man begann mit einem modernen Neubau an der Poststraße. 1964 konnte das Gericht dort eingerichtet werden. Nun stand das städtische Gebäude leer. Da die städtische Verwaltung immer mehr Aufgaben übernahm und die Zahl der Mitarbeiter sich stark vermehrt hatte, nutzte man das Gebäude, um dort die Bauämter unterzubringen. Selbst in den Zellen des Gefängnistraktes arbeiteten nun städt. Mitarbeiter. Um ihnen nicht den Eindruck einer "Haft" zu vermitteln, entfernte man die Gitter, mauerte die hinteren Außentüren zu und riss die Freigangmauer ab. Nach knapp 12 Jahren ging diese Auslagerung wieder zu Ende, als man das heutige Rathaus erbaute und 1976 einweihte.

Als nächster Nutzer zog nun die Kreis- und Stadtbücherei in das Gebäude. Im Gefolge der Energiekrise der 70er Jahre wurden die Decken abgehängt und so das Raumvolumen verringert. Die Stadtbücherei blieb bis zum Umzug in das 1994 bis 1999 umgebaute alte Rathaus im alten Amtsgericht. Durch Ratsbeschluss sollte nun das Gebäude für die Aufnahme des Historischen Archivs und das Museum der Stadt Kamen saniert und genutzt werden. Sämtliche Strom-, Wasser- und Heizungsleitungen wurden erneuert. Die abgehängten Decken nahm man wieder ab und entdeckte die schönen Originaldecken. Da einige originale Innentüren schon entfernt und durch "moderne" ersetzt worden waren, ließ die Verwaltung sie wieder handwerklich nachbauen. Alle Baumaßnahmen erfolgten streng im Rahmen der Denkmalpflege. Auch das schmiedeeiserne Hoftor erhielt eine Restaurierung und bleibt seither verschlossen. Der gepflasterte Innenhof wird nun auch nicht mehr als Parkplatz genutzt, sondern er bleibt als Rettungsweg frei. Die untere der drei Gefängnisetagen hat noch die Originalzellentüren.

Nun steht dem historischen Bauwerk eine hoffentlich lange Nutzung als "Haus der Stadtgeschichte" bevor.
 

Kontakt

Haus der Stadtgeschichte,
Museum und Stadtarchiv
Bahnhofstr. 21
59174 Kamen
Tel.: 02307/553412
Fax: 02307/553414
Email:
museum(at)stadt-kamen.de
Internet:
www.stadt-kamen.de

Träger: Stadt Kamen

Mitarbeiterteam: Maren Austel, Jürgen Dupke,
Hans-Jürgen Kistner (Leiter)

 

Öffnungszeiten: Stadtarchiv: Di. - Do. 10-12 Uhr, 14-17 Uhr
                               Museum: Di. - Do. 10-12 Uhr, 14-17 Uhr, Fr. 10-12 Uhr, Sonntags 14-17 Uhr
                               Montags, Samstags und Feiertags geschlossen!

Eintritt: frei

Führungen: nach Vereinbarungen

Lage: Zentrum

Anfahrt: VKU-Linien C21, C23, C24, R11, R12, R81, S80 Haltestelle: Stadthalle
                  PKW: A1, Abf. Kamen-Zentrum, B233 Richtung Kamen, Abf. Zentrum, Bahnhofstrasse rechts

Parkplätze vorhanden

 



Zur Unterstützung des Museums wurde im Juni 1999 der Verein der 'Freunde und Förderer des Museums der Stadt Kamen e.V.' gegründet.
Dieser Verein hat folgende Ziele:

  • Förderung des Ankaufs von Sammlungsgut und Einrichtungsgegenständen für das Museum der Stadt Kamen
  • Unterstützung wissenschaftlicher Arbeiten zu den Sammlungsgebieten des Museums
  • Durchführung von Ausstellungen und museumspädagogischen Veranstaltungen auf dem Gebiet der Geschichte, Kultur und Kunst zur Bildung von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern
  • Herausgabe eigener und fremder Publikationen


Der "Museumsshop" hat neben einigen Büchern mit lokalgeschichtlichem Hintergrund auch das "Historische Kamener Kochbuch" von 1828 im Angebot.
Komplettiert wird das Sortiment durch einen Bastelbogen vom Kamener Bahnhof (1:87) sowie den Kamener Museumswein "Graf von der Mark". Dieser Wein mit dem Sonderetikett ist nicht nur für den eigenen Genuss zu empfehlen, sondern eignet sich auch als besonderes Geschenk.

Dem Verein gehören z. Z. ca. 130 Mitglieder an. Unterstützen auch Sie die Arbeit des Museums und werden Sie Mitglied. Der Jahresbeitrag beträgt 20 Euro und ist steuerlich absetzbar. Weitere Infos erhalten Sie unter den o. a. Telefonnummern.